Fünf Stufen. Eine Wahl je Ablauf.

Wie viel entscheidet die Maschine, wie viel der Mensch? Das Modell ordnet einen einzelnen Ablauf ein, nicht den ganzen Betrieb. Eine höhere Stufe ist deshalb kein Fortschritt. Sie verlagert Entscheidungen und verlangt dafür andere Prüfungen.

Modell nach Holtel, Hufenstuhl und Klug (2017), aufgegriffen im KI-Kompass für KMU der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Kurzfassung unter Begriffe.

Wer entscheidet, auf welcher Stufe.

Von 65 Szenarien stehen 57 auf Stufe 1 oder 2. Auf Stufe 3 stehen 6, auf Stufe 4 steht eines. Die Einordnung ist redaktionell und steht in jedem Dossier mit Begründung.

  1. Stufe 0: Menschliche Entscheidung

    Der Mensch entscheidet allein, ohne technisches Zutun.

    Die Maschine
    Nichts. Sie ist allenfalls Gegenstand der Entscheidung.
    Der Mensch
    Entscheidet und handelt selbst.
    Dazu gehört
    Die übliche fachliche Sorgfalt.
  2. Stufe 1: Assistiertes Entscheiden

    Die KI liefert zu, der Mensch entscheidet jeden Fall.

    Die Maschine
    Liefert Entwurf, Vorschlag, Auswertung oder Antwort mit Quelle.
    Der Mensch
    Liest, korrigiert und gibt jeden Einzelfall frei.
    Dazu gehört
    Jedes Ergebnis wird gelesen, bevor es wirkt. Die Gefahr ist, dass Lesen zum Durchwinken wird.

    37 Szenarien im Bestand

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  3. Stufe 2: Teilweises Entscheiden

    Die KI entscheidet in vorab festgelegten Fällen selbst.

    Die Maschine
    Sortiert, ordnet zu, legt Vorgänge an, befüllt Vorlagen, ohne Einzelfreigabe.
    Der Mensch
    Gibt frei, was nach außen geht, und sieht sich Auffälligkeiten an.
    Dazu gehört
    Klare Grenzen der festgelegten Fälle, ein Ausweg für Unklares und Stichproben aus dem, was ungeprüft durchlief.
  4. Stufe 3: Weitgehendes Entscheiden

    Die KI handelt ohne Einzelfreigabe, der Mensch behält die Kontrolle.

    Die Maschine
    Handelt auch gegenüber Dritten: antwortet, bucht, erinnert, legt ab.
    Der Mensch
    Setzt die Grenzen, übernimmt Eskalationen und wertet regelmäßig aus.
    Dazu gehört
    Ein Eskalationspfad, der wirklich greift, ein Protokoll und die Kennzeichnung als KI, sobald Menschen mit dem System sprechen.
  5. Stufe 4: Vollständige Automation

    Die KI entscheidet und handelt ohne menschliches Zutun.

    Die Maschine
    Führt den ganzen Ablauf aus, von der Auslösung bis zur Wirkung.
    Der Mensch
    Ist nur beim Aufsetzen und bei Änderungen beteiligt.
    Dazu gehört
    Vertretbar nur, wo ein Fehler folgenlos bleibt oder auffällt, bevor er wirkt.

Wann die niedrigere Stufe die bessere Wahl ist.

Ein Ablauf auf Stufe 1 ist nicht unfertig. Oft ist er richtig eingestellt. Vier Gründe, aus denen man bewusst unten bleibt, auch wenn die Technik mehr könnte.

  1. Ein Fehler lässt sich nicht zurückholen.

    Daten, die das Haus verlassen haben, bleiben draußen. Eine versäumte Frist bleibt versäumt. Wo die Wirkung endgültig ist, gehört die Prüfung vor die Wirkung und nicht in den Wochenbericht danach.

    Beispiel: Privacy Gateway – kommerzielle KI nutzen, ohne Klardaten herauszugeben (Stufe 1) Pseudonymisierung

  2. Das Ergebnis trägt eine Unterschrift.

    Arztbrief, Schriftsatz, Urkunde: Hier steht eine Person mit ihrem Namen und ihrer Berufshaftung für den Inhalt ein. Das System kann den Entwurf liefern. Die Entscheidung lässt sich nicht delegieren, nur vorbereiten.

    Beispiel: Befunddiktat und Arztbrief-Entwurf per Spracherkennung (Stufe 1) Berufsgeheimnis

  3. Die Ausnahmen sind die eigentliche Arbeit.

    Wenn der seltene Fall der teure ist, etwa Behördenpost mit Stichtag in einem sonst gleichförmigen Posteingang, bekommt er einen eigenen Pfad zum Menschen. Der Rest darf eine Stufe höher laufen.

    Beispiel: Eingangs-Mail-Triage für ein Steuerberatungsbüro (Stufe 2) Human in the Loop

  4. Es kommt selten vor.

    Stufe 3 braucht Grenzen, Eskalation, Protokoll und jemanden, der auswertet. Bei zwanzig Vorgängen im Monat ist die Durchsicht meist billiger als der Aufbau dieser Kontrolle.

    KI-Kosten

Für den Weg nach oben gilt dieselbe Vorsicht in der anderen Richtung: Stufen nicht überspringen, sondern eine stabilisieren, bevor der Mensch aus dem nächsten Schritt herausgenommen wird. Wie das in einem Rollout aussieht, steht unter Skalierte KI-Adoption.

Vier Angaben, vier verschiedene Fragen.

Im Dossier stehen mehrere Einordnungen nebeneinander. Sie klingen ähnlich und beantworten doch Verschiedenes. Wer sie vermischt, hält ein erprobtes System für ein autonomes oder einen Agenten für riskanter als einen Workflow.

Reifegrad
Wie weit ist das erprobt? Konzept, Pilot oder produktiv. Sagt nichts darüber, wer entscheidet.
Autonomiestufe
Wer entscheidet im Ablauf? Die fünf Stufen dieser Seite, gesetzt je Ablauf.
Werkzeugklasse
Wohin dürfen die Daten? Von der Consumer-Cloud bis zur eigenen Umgebung, abgeleitet aus den Datenklassen.
Architektur
Wie ist es gebaut? Workflow, Hybrid oder Agent. Ein Workflow kann auf jeder Stufe laufen, siehe Workflow oder Agent.

Vom Modell zum eigenen Ablauf.

Die Stufe lässt sich erst sinnvoll wählen, wenn die Tätigkeit beschrieben ist und klar ist, welche Daten hineinfließen.