Den KI-Assistenten einrichten

Das Abo ist da, der Chat ist leer. Wie Du Cowork, ChatGPT, Langdock, Hermes oder OpenClaw so einrichtest, dass sie Deinen Betrieb, Deine Ablage und Deine wiederkehrenden Aufgaben kennen: sechs Bausteine in fester Reihenfolge, für jedes Werkzeug mit den konkreten Stellen.

Das Thema in drei Schritten.

  1. 01 Einordnen 9 Kapitel im vollständigen Fachtext.
  2. 02 Prüfen 4 verknüpfte Szenarien aus der Praxis.
  3. 03 Vertiefen Ein fachlicher Anschluss zum Weiterlesen.
Inhalt 9 Kapitel
  1. 01 Worum es geht
  2. 02 Zwei Fragen vor dem ersten Baustein
  3. 03 Die sechs Bausteine
  4. 04 Baustein 2: Das Kontextprofil
  5. 05 Baustein 3: Die Ablage
  6. 06 Baustein 4: Skills
  7. 07 Wo die Bausteine in den fünf Werkzeugen liegen
  8. 08 Was typischerweise schiefgeht
  9. 09 Ein Nachmittag, dann zwei Wochen

Worum es geht

Die Entscheidung für ein Werkzeug ist gefallen. Claude Cowork, ChatGPT, Langdock, Hermes Agent oder OpenClaw sind installiert oder bezahlt, und dann sitzt man vor einem leeren Eingabefeld und fragt sich, was man jetzt machen soll. Das ist der Punkt, an dem die meisten stehen bleiben. Nicht, weil das Modell zu schwach wäre, sondern weil dem Werkzeug alles fehlt, was Dich von einem beliebigen Nutzer unterscheidet: Wer Du bist, was Dein Betrieb macht, wo Deine Unterlagen liegen, wie Deine Angebote klingen sollen.

Diese Seite beschreibt, wie Du das nachholst. Der Ablauf ist bei allen fünf Werkzeugen derselbe, nur die Menüs und Dateinamen unterscheiden sich. Sechs Bausteine, in dieser Reihenfolge, weil jeder den vorigen braucht. Die Werkzeugwahl selbst steht in KI-Tools im Unternehmen, die Frage, was ein Desktop-Agent überhaupt trägt, in Agenten ohne Entwicklungsteam.

Zwei Fragen vor dem ersten Baustein

Bevor irgendetwas eingerichtet wird, sind zwei Datenfragen zu klären, und zwar in dieser Reihenfolge.

Welche Datenklasse darf in dieses Werkzeug? Cowork und ChatGPT rechnen in den USA, Langdock hostet in Frankfurt und reicht je nach Modell weiter, Hermes und OpenClaw rechnen dort, wo Du das Modell bestellst. Für Kontextprofil, Vorlagen und die eigene Preisliste ist das unkritisch. Für Kundendaten entscheidet die Route, nicht der Anbieter, siehe Wo rechnet mein Modell.

Worauf darf das Werkzeug zugreifen? Ein Assistent mit Ordner- und Postfachzugriff ist etwas anderes als ein Chat. Eine allgemeine Freigabe für ein Sprachmodell deckt ihn nicht ab. Die Antwort auf diese Frage bestimmt, welchen Ordner Du freigibst (einen, nicht „Dokumente“) und welche Connectoren Du zuerst anschließt (einen, lesend).

Die sechs Bausteine

#BausteinWas am Ende da istPrüffrage
1GrundeinstellungenPlan, Modell, Datenroute, Trainingsausschluss geprüft, Dateierstellung freigeschaltet, Freigabemodus auf „fragen“Weiß ich, welche Daten hier hineindürfen?
2KontextprofilKurzfassung unter 1.500 Zeichen in den persönlichen Einstellungen, Langfassung als DateiStellt sich der Assistent mit meinem Betrieb und meinem Ton vor?
3AblageEin Zweckordner mit drei Schichten: Kontext, Wissen, Arbeit; 10 bis 30 gepflegte DokumenteFindet er die Preisliste, ohne dass ich sie hochlade?
4SkillsDrei bis fünf Skills für die häufigsten Aufgaben, jeder mit TestanfragenLöst der richtige Skill bei einer vagen Anfrage aus?
5Werkzeuge und KanäleEin Connector, lesend; Schreibaktionen mit Rückfrage; bei Server-Werkzeugen ein Messenger mit AllowlistWas passiert, wenn eine fremde Mail eine Anweisung enthält?
6RoutinenEin zeitgesteuerter Lauf, dessen Prompt vorher dreimal manuell liefSehe ich am Ergebnis, ob die Aufgabe richtig erledigt wurde?

Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Skills verweisen auf Profil und Ablage, also kommen beide vorher. Connectoren vergrößern den Schaden, den ein Fehler anrichten kann, also kommen sie erst, wenn Profil und Skills gezeigt haben, dass der Assistent tut, was er soll. Routinen laufen ohne Rückfrage, also kommen sie zuletzt.

Für eine Einzelperson mit einem Cloud-Werkzeug sind die Bausteine eins bis vier an einem Nachmittag zu schaffen. Die kursierende Schätzung von rund vier Stunden ist dafür realistisch. Einführungen im Team rechnen in Wochen, und zwar nicht wegen des Aufwands, sondern weil man erst im Betrieb lernt, was der Assistent falsch macht.

Baustein 2: Das Kontextprofil

Ein Kontextprofil ist eine kurze Textdatei, die dem Assistenten erklärt, für wen er arbeitet. Sieben Abschnitte, jeder wenige Zeilen:

  1. Person und Rolle: was Du tust und was nicht.
  2. Unternehmen: Branche, Größe, Kunden, Leistungen, Region.
  3. Arbeitsweise und Werkzeuge: womit gearbeitet wird, wo Dateien liegen.
  4. Ziele der nächsten 90 Tage, als Filter dafür, was gerade zählt.
  5. Sprache und Ton: Anrede, Länge, Format, verbotene Floskeln.
  6. Grenzen: was der Assistent nie ohne Rückfrage tut, welche Daten nicht hineindürfen.
  7. Verweise: wo Langfassung, Vorlagen und Skills liegen.

Zwei Dinge gehören nicht hinein. Keine Zugangsdaten und keine Daten Dritter, weil das Profil mit jedem Chat zum Modellanbieter wandert. Und keine Wünsche. „Sei präzise“ wirkt nicht, „nenne bei Zahlen die Quelle“ wirkt.

Die reiferen Werkzeuge trennen drei Dateien: das Profil des Menschen, das Auftreten des Assistenten und die Betriebsregeln eines Arbeitsordners. Hermes und OpenClaw nennen sie USER.md, SOUL.md und AGENTS.md. In ChatGPT und Langdock sind das die zwei Felder der Custom Instructions plus die Projekt-Anweisungen. Wer beim Schreiben schon so trennt, kann das Profil später in ein anderes Werkzeug übernehmen.

Der schnellste Weg: Lass den Assistenten Dich interviewen („Stell mir zehn Fragen, dann schreib mein Kontextprofil“), kürze das Ergebnis auf unter 1.500 Zeichen und lege es als Datei ab. Die Einträge in den Werkzeugen sind Kopien.

Baustein 3: Die Ablage

Ein Ordner, den das Werkzeug sehen darf, in drei Schichten:

Arbeitsordner/
├── AGENTS.md            # was hier liegt, was zuerst gilt
├── Kontext/             # klein, immer relevant
│   ├── ueber-mich.md    # Langfassung des Profils
│   ├── stimme.md        # Ton, Anrede, Textbeispiele
│   └── arbeitsregeln.md # Dateinamen, Speicherorte
├── Wissen/              # kuratiert, dauerhaft
│   ├── preisliste-2026.md
│   ├── leistungen.md
│   └── faq-kunden.md
├── Vorlagen/            # Angebot, Rechnung, Mailbausteine
├── Projekte/            # je Kunde oder Vorhaben
├── Ausgaben/            # datierte Ergebnisse
└── skills/              # bei Datei-Werkzeugen

Bei ChatGPT und Langdock, die keinen Ordner sehen, entspricht dem: Kontext in den Anweisungen, Wissen in einer Wissensbasis oder Projektdateien, Arbeit in Projekten. Ein Obsidian-Vault taugt als Arbeitsordner, weil er aus Markdown-Dateien besteht. Hermes und OpenClaw arbeiten direkt darin, Cowork über „Work in a folder“.

Das Memory des Werkzeugs ist eine vierte Sache. Es wird vom Assistenten geschrieben, nicht von Dir, und gehört gelesen und bereinigt, aber nie als Wissensbasis benutzt. Was dauerhaft gelten soll, steht in der Ablage.

Zehn gepflegte Dokumente sind mehr wert als hundert unsortierte. Eine Wissensbasis, in die man einfach alles kippt, verschlechtert die Antworten, weil der Assistent die veraltete Preisliste genauso ernst nimmt wie die aktuelle.

Baustein 4: Skills

Ein Skill ist ein Ordner mit einer Datei SKILL.md, die einen wiederkehrenden Ablauf beschreibt. Das Format ist seit Dezember 2025 ein offener Standard und wird von Claude, ChatGPT und Codex, Langdock, Hermes, OpenClaw, Gemini und Copilot gelesen. Ein Skill, den Du heute für Cowork schreibst, läuft mit kleinen Anpassungen auch woanders.

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name: angebot-schreiben
description: Erstellt Angebote für Elektroinstallationen
  aus Stichpunkten im Stil von Firma X. Verwenden, wenn
  ein Angebot, Kostenvoranschlag oder Leistungsumfang
  für einen Kunden angefragt wird.
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# Angebot schreiben
1. Vorlage aus Vorlagen/angebot.md laden.
2. Positionen aus den Stichpunkten übernehmen,
   Preise aus Wissen/preisliste-2026.md.
3. Fehlende Mengen oder Termine nachfragen,
   nicht schätzen.
4. Entwurf nach Ausgaben/<kunde>-<datum>.md
   schreiben. Nie versenden.

Die Beschreibung ist der einzige Auslöser: Sie sagt, was der Skill tut und wann er dran ist. Ein Skill entsteht aus einer Aufgabe, die Du dreimal gleich gemacht hast, nicht aus einer Idee. In Cowork genügt nach dem dritten Mal der Satz „Mach aus dem, was wir gerade getan haben, einen Skill“. Drei bis fünf reichen für den Anfang: Angebot, Wochenbericht, Mail-Antwort im eigenen Ton, Zusammenfassung eines Kundentermins.

Zu jedem Skill gehören Testanfragen: drei, die ihn auslösen sollen, zwei, die ihn nicht auslösen sollen. Und ein Skill je Ablauf. Ein Sammelskill, der Angebot, Rechnung und Mahnung zugleich kann, ist nicht wartbar und löst unzuverlässig aus.

Fremde Skills aus Marktplätzen sind ausführbare Anweisungen mit Werkzeugzugriff. Anfang 2026 waren in einem der großen Register mehrere hundert Skills mit Schadcode. Vor der Installation die Datei und alle Skripte lesen; jeder Download-und-Ausführen-Befehl ist ein Ausschluss.

Wo die Bausteine in den fünf Werkzeugen liegen

WerkzeugKontextprofilSkillsAblageMemoryRoutinen
Claude CoworkPersonal Preferences, Global Instructions, Projekt-InstructionsCustomize, Skills (ZIP-Upload); Org-Skills im Team„Work in a folder“, Projekte, ConnectorenSettings, Memory; im Team standardmäßig ausScheduled Tasks, in der Cloud, ohne lokalen Ordner
ChatGPTCustom Instructions, Projekt-InstructionsCustom GPTs, Skills in Desktop und CodexProjektdateien, Connectoren, Company KnowledgeSettings, PersonalizationScheduled Tasks
LangdockCustom Instructions, Workspace-Beschreibung; als Workspace-Skill, damit es auch in Agents giltSkills (SKILL.md-Upload), Agents, Prompt LibraryKnowledge Base, Folder Sync, LibraryChat Memory, 50 Einträge, nicht in AgentsScheduled Tasks, Workflows
Hermes AgentUSER.md, SOUL.md, AGENTS.md~/.hermes/skills/, /learn, Skills HubArbeitsordner, MCP-ServerMEMORY.md, Session-SucheCron im Gateway
OpenClawUSER.md, SOUL.md, IDENTITY.md, AGENTS.mdworkspace/skills/, ClawHubWorkspace-Ordner, MCPMEMORY.md, TagesnotizenAutomationen, Heartbeat

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung je Werkzeug, mit Menüpfaden, Befehlen und den bekannten Stolpersteinen, steht in Harness einrichten: fünf Anleitungen.

Zwei Eigenheiten, die beim Umstieg überraschen: In Langdock ersetzen die Anweisungen eines Agents oder Projekts die persönlichen Custom Instructions, das Profil muss dort also als Workspace-Skill hinterlegt werden, sonst fehlt es. In Cowork laufen zeitgesteuerte Aufgaben in der Cloud und können keinen lokalen Ordner lesen; was eine Routine braucht, muss in einem Projekt oder Connector liegen.

Was typischerweise schiefgeht

  • Das Werkzeug zuerst, die Aufgabe später. Ohne eine konkrete, wiederkehrende Aufgabe entsteht ein Assistent, der alles ein bisschen kann.
  • Der ganze Dokumente-Ordner ist freigegeben. Ein Zweckordner reicht, und bei Kunden ein Ordner je Kunde.
  • Das Profil enthält Wünsche statt Regeln, oder Kundendaten statt Verweise.
  • Skills aus dem Marktplatz ungelesen installiert.
  • Memory als Wissensbasis benutzt. Es ist vom Assistenten geschrieben, angreifbar und gerätelokal.
  • Eine Routine ohne manuellen Vorlauf. Sie fragt nicht nach; was sie nicht können soll, regeln die Zugänge, nicht ein Satz im Prompt.
  • Im Team niemand zuständig. Skills und Wissensbasis veralten dann still.

Die Sicherheitsseite dazu, insbesondere versteckte Anweisungen in Mails und Webseiten, steht in Agenten-Sicherheit.

Ein Nachmittag, dann zwei Wochen

  1. Eine Aufgabe wählen, die regelmäßig anfällt, keine personenbezogenen Daten oberhalb der Ampel 1 berührt und deren Ergebnis Du in fünf Minuten prüfen kannst.
  2. Bausteine eins bis vier an einem Nachmittag: Einstellungen, Profil per Interview, Zweckordner mit zehn Dokumenten, ein erster Skill für genau diese Aufgabe.
  3. Zwei Wochen mitlaufen lassen und aufschreiben, was der Assistent falsch macht. Jede Korrektur, die Du zum dritten Mal gibst, wandert ins Profil oder in den Skill.
  4. Dann erst ein Connector, lesend. Dann eine Routine, deren Prompt Du vorher dreimal von Hand ausgeführt hast.
  5. Wöchentlich fünf Minuten Pflege: Korrekturen einarbeiten, Memory lesen, Veraltetes aus der Ablage nehmen.

Wer das mit den eigenen Unterlagen durchgeht, hat am Ende zwei Dinge: einen eingerichteten Assistenten und eine Liste dessen, was im Betrieb wiederkehrt. Die Liste ist das Wertvollere, weil sie beim nächsten Werkzeugwechsel erhalten bleibt.